Motorumbau am 50 Jahre alten Boot – was wir gelernt haben

Die Idee

Unser Boot ist über 50 Jahre alt – ein klassischer
Verdränger auf der Havel, der uns vom ersten Moment
an fasziniert hat. Grün, robust, mit Charakter.


Was uns allerdings immer beschäftigt hat, war der
Motor. Laut, immer etwas Öl in der Bilge, Luft in der Dieselleitung,
eine Stopfbuchse, die ich jeden Winter erneuert habe 
mit der Erfahrung einer abgerissenen Motorhalterung vor 3 Jahren.
Allerdings war der Kraftstoffverbrauch super, 2 Liter Diesel pro Stunde – 
davon träumen wir heute.

Letztendlich haben wir uns also entschieden: neuer Motor!

Die Lösung klang zunächst ungewöhnlich: ein
Honda Außenborder – eingebaut als Innenborder
in einem Schacht. Der Motor würde nach hinten
wandern, nach unten aus dem Rumpf heraus, in eine
selbst gebaute Konstruktion aus Stahlblech.

Klingt simpel. War es nicht.

Das Holzmodell – Anfang April

Bevor auch nur eine Schweißnaht gezogen wurde,
haben wir Anfang April mit einem Holzmodell
des Schachts begonnen. Maße abnehmen,
Proportionen prüfen, Passgenauigkeit testen –
alles erst in Holz bevor es in Stahl geht.

Das war die beste Entscheidung des gesamten
Projekts.

Das Modell hat uns Fehler gezeigt die in Stahl
teuer geworden wären. Abstände die auf dem
Papier stimmten aber in der Realität nicht
funktionierten. Winkel die neu berechnet
werden mussten.

Erst als das Holzmodell saß – wirklich saß –
ging es an den echten Schacht.

Die eigentliche Herausforderung: der Schacht

5mm Stahlblech. Ein Loch im Bootsrumpf.
Das war der Kern des Projekts – und die
eigentliche Herausforderung.

Ein Loch in einen 50 Jahre alten Bootsrumpf
zu schneiden ist kein Schritt den man
auf die leichte Schulter nimmt. Es gibt
keinen Weg zurück. Entweder es passt –
oder man hat ein Problem.

Hier kam Jens ins Spiel. Ein erfahrener
Schweißer und Mechaniker der uns durch
das gesamte Projekt begleitet hat.
Ohne Jens wäre der Schacht aus Stahlblech
nicht das geworden was er heute ist –
präzise, wasserdicht, stabil.

Alles musste angepasst werden

Mit dem neuen Motor und dem neuen Schacht
war es nicht getan. Alles was mit dem
alten Antrieb zusammenhing musste neu
gedacht werden:

Lenkung – komplett neu angepasst an
den jetzt hinten sitzenden Motor.

Schaltung – neue Züge, neue Hebel,
neue Wege.

Schraubenanlage – die alte wurde
vollständig entfernt.

Ruderanlage – ebenfalls raus.
Der Honda übernimmt die Steuerung jetzt
vollständig über seinen eigenen Mechanismus.

Jede dieser Anpassungen war ein eigenes
kleines Projekt. Jede hat Zeit gekostet.
Und jede hat uns mehr über unser Boot
gelehrt als Jahre des normalen Betriebs.

Der 1. Juli – das Boot geht ins Wasser

Nach Monaten der Planung, des Schweißens,
des Anpassens und des Testens ist unser
Boot am 1. Juli ins Wasser gegangen.

Der Motor sprang beim ersten Versuch an.

Ruhig. Sauber. Kraftvoll.

Das ist ein Moment den man nicht beschreibt –
den erlebt man. Und dann steht man am Steg
und schaut auf das was man gemacht hat und
denkt: das haben wir wirklich hingekriegt.

Was wir gelernt haben

Ein Holzmodell ist keine Zeitverschwendung.
Es ist die klügste Investition die ihr machen
könnt bevor ihr mit echten Materialien beginnt.

Holt euch den richtigen Menschen dazu.
Jens hat uns nicht nur mit dem Schweißen
geholfen – er hat uns Fehler erspart die
wir ohne ihn gemacht hätten. Erfahrung ist
durch nichts zu ersetzen.

Plant vom April bis Juli. Nicht zwei
Wochenenden. Nicht einen Monat. Gebt dem
Projekt den Raum den es braucht – dann
macht es auch Freude.

Ein altes Boot kennt man erst wenn man drin geschraubt hat. Wir kennen unseres
jetzt. Wirklich.

Fazit

Der Honda läuft. Das Boot fährt.
Und wir sind stolz – auf das Ergebnis,
auf die Zusammenarbeit mit Jens, und
darauf dass wir es durchgezogen haben.

Boomer Power.


Habt ihr ähnliche Umbau-Projekte gemacht oder plant ihr eines? Schreibt uns – wir freuen uns über jeden Austausch.

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